Recap CSDs 2026

Auch dieses Jahr waren wir als Hochschulgruppe auf dem CSD in Göttingen am 20.06. mit einem Stand auf dem Straßenfest vertreten, um ein Zeichen für Menschen- und queere Rechte zu setzten. Denn „Liebe ist ein Meschenrecht“.

Mit einer wundervollen Rede machte Saamini dies noch einmal deutlich. Vielen Dank an dich und auch an Neele und Eva für die sehr gelungene Rede.

Wer diese noch einmal nachlesen möchte, findet sie hier angehängt.

Genauso wichtig wie in größeren Städten Präsenz zu zeigen, ist es jedoch auch kleinere CSDs zu unterstützen, sodass ein paar von uns mit einem Stand den CSD in Herzberg 13.06. besuchten.

Vielen Dank an all die Menschen, die an diesen und auch allen anderen Tagen aufstehen und für Menschenrechte kämpfen 💛

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Rede von Saamini, Neele und Eva:

Liebe alle,

ich spreche heute im Namen von Amnesty International, der größten Menschenrechtsorganisation weltweit.

Es ist Pride-Month; in ganz Deutschland sind CSDs, die riesigen in Köln oder Berlin, aber auch die kleinen wie der 2. CSD jemals in Herzberg im Harz. Als wir in unserem Plenum darüber gesprochen haben, dieses Jahr zum CSD nach Herzberg zu fahren, und unter dem Motto Protect the Protest, ihn zu unterstützen, war unsere erste Reaktion: „Klar, wir sind dabei.“

Doch sofort kamen auch Fragen auf

„Fühlen wir uns dort eigentlich sicher?“

“Wie reisen wir an, um uns wohlzufühlen?”

“Wie gehen wir damit um, wenn wir angefeindet werden?”

Und allein die Tatsache, dass wir uns diese Fragen überhaupt gestellt haben, sollte uns zu denken geben.

Denn ein Christopher Street Day ist kein Risikosport. Er ist keine Mutprobe. Er ist keine politische Extremveranstaltung. Ein CSD ist gelebte Freiheit. Er ist Sichtbarkeit. Gemeinschaft. Freude. Die Möglichkeit, Hand in Hand durch die eigene Stadt zu gehen und zu sagen: Ich bin da. Und ich habe das Recht, da zu sein.

Und trotzdem überlegen Menschen inzwischen, ob sie lieber zu Hause bleiben.

Weil sie Angst haben.

Die Angst ist nicht unbegründet.

Im vergangenen Jahr fanden in Deutschland 245 CSDs statt. So viele wie noch nie zuvor. Fast jeder zweite wurde gestört oder angegriffen. Hinter vielen dieser Vorfälle standen keine zufälligen Pöbeleien oder einzelne Störenfriede, sondern organisierte rechtsextreme Gruppen, die gezielt mobilisiert haben.

Wir erinnern uns an die großen Schlagzeilen. An Bautzen. An Gelsenkirchen. Aber wir sollten auch an die vielen kleineren Städte denken, deren Namen wir gar nicht kennen. Orte, an denen Menschen wochenlang einen CSD planen – und plötzlich Sicherheitskonzepte angepasst werden müssen, Routen geändert werden oder sogar die Frage im Raum steht, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann.

Diese Angriffe haben System.

Sie richten sich nicht nur gegen die Menschen, die heute hier mit Regenbogenfahnen stehen. Sie richten sich gegen die Idee einer offenen Gesellschaft. Gegen die Überzeugung, dass alle Menschen die gleiche Würde besitzen. Dass Vielfalt sichtbar sein darf und sein muss. Dass öffentliche Räume wirklich öffentlich sind – und nicht nur denen gehören, die am lautesten einschüchtern.

Die Zahlen zeigen, wohin die Entwicklung geht: Queerfeindliche Straftaten erreichen neue Höchststände. Frauenfeindliche Straftaten nehmen drastisch zu. Hass wird lauter – auf der Straße und in digitalen Räumen. Immer häufiger wird versucht, Menschen Angst zu machen, damit andere sich zurückziehen. Damit sie weniger Raum einnehmen. Weniger sichtbar sind. Weniger widersprechen.

Die Botschaft dahinter lautet:
„Seid vorsichtiger. Seid leiser. Bleibt zu Hause.“

und unsere Antwort darauf

Wir werden nicht leiser. Wir bleiben sichtbar. Wir bleiben bunt. Und wir bleiben laut.

und deshalb sind wir hier heute auf der Straße.

Denn Protest ist kein Privileg für Zeiten, in denen es bequem ist. Protest ist ein Menschenrecht. Das Recht, seine Meinung zu äußern. Sich zu versammeln. Sichtbar zu sein. Für sich selbst und füreinander einzustehen.

Und auch heute ist das Recht zu protestieren keine Selbstverständlichkeit. Nicht in Deutschland. Und erst recht nicht überall auf der Welt.

Denn überall erleben wir gerade einen historischen Wendepunkt. Weltweit greifen Konzerne, mächtige Staaten und menschenrechtsfeindliche Bewegungen die universellen Menschenrechte an. Ganz besonders auch das Recht auf Protest. Amnesty International spricht hierbei von einer autoritären Wende, die unsere internationale Rechtsordnung infrage stellt. Ziel von autoritären Praktiken sind dabei oft die vulnerablesten Bevölkerungsgruppen.

So kommt es vermehrt zu Massenabschiebungen und einer rassistisch geprägten Grenzpolitik. Frauenrechte werden stark eingeschränkt, vor allem in Afghanistan unter den Taliban. Und auch queere Personen geraten immer mehr unter Druck. Besonders werden die Rechte von trans Menschen systematisch angegriffen und ihr Leben durch restriktive Gesetze eingeschränkt.

Autoritäre Regime nutzen diese Taktiken ganz bewusst, um die Zivilgesellschaft, um uns, zu unterdrücken und kleinzuhalten.

Nur um einmal ein Beispiel zu nennen: in der Türkei stehen gerade 11 ehemalige Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder des Vereins Genç LGBTI+ vor Gericht. Ein Verein, der sich für die Rechte von jungen queeren Menschen einsetzte. Im Dezember 2025 wurde dieser gerichtlich aufgelöst. Angeblich, da “obszöne” Zeichnungen auf Social Media geteilt wurden.

Der Prozess an sich ist eine rechtswidrige Einschränkung ihrer Rechte auf Vereinigungs- und Meinungsfreiheit. Die Türkei ist verpflichtet, internationale Menschenrechtsnormen einzuhalten, stattdessen werden LGBTQIA+ Menschen unterdrückt. Das muss verhindert werden, der Verein muss weiterarbeiten können! Und dafür haben wir später eine Petition an unserem Stand, kommt gerne vorbei und setzt mit eurer Unterschrift ein Zeichen.

Dieser Fall ist nur ein Beispiel, nur ein Verein, nur ein Prozess. Überall werden die Rechte von queeren Menschen eingeschränkt.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir heute hier sind. Wir alle haben ein Recht auf Protest und wir alle müssen dafür kämpfen. Queere Rechte sind Menschenrechte. Wir werden nie aufhören, uns laut dafür einzusetzen!

Zum Abschluss noch ein Gedanke, der heute besonders wichtig ist. Heute, am 20. Juni, ist Weltgeflüchtetentag. Lasst uns auch an die Menschen denken, die wegen ihrer Sexualität, ihrer Geschlechtsidentität oder weil sie lieben, wen sie lieben, fliehen müssen. Dankeschön.

 

Quellen:

Amnesty International Report 2025/26: Amnesty International warnt vor gefährlicher neuer Weltordnung | amnesty.ch

Türkei, Emirhan Şaşmaz, Kerem Dikmen, Vorstand Genç LGBTI+, vor Gericht

Junge LGBTI+ Vereinigung – Von LGBTI+ Jugendlichen für LGBTI+ Jugendliche!

https://www.instagram.com/genclgbti/